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Schlaf, Kindchen schlaf

  • Autorenbild: Dr. Jutta Weber
    Dr. Jutta Weber
  • vor 1 Stunde
  • 6 Min. Lesezeit

über das Schlafen mit Babys und wie man es verbessert

 

Während der Schwangerschaft sind der Schlaf von Mutter und Kind noch recht unabhängig voneinander. Die Mutter kann autonom entscheiden, wann sie ein Nickerchen machen oder am Abend schlafen gehen möchte. Auch, wenn die zunehmende Schwangerschaft das Liegen, Ein- und Durchschlafen erschwert, kann sie dennoch auf genügend lange Ruhezeiten kommen, um sich über Tag ausgeruht zu fühlen.

Der Vater ist meist während der Schwangerschaft in seinem Schlaf vollkommen unbeeinflusst.

Das Baby liegt geschützt im Uterus, umgeben vom regelmäßigen Herzschlag seiner Mutter, von Darmgeräuschen und gedämpftem Gemurmel, welches von außen zu ihm hereindringt.

Es schläft und wacht, wann es ihm passt.

Nach der Geburt ist vieles ganz anders. Wenig wird von Eltern als so einschneidend empfunden, wie die Veränderung ihres Schlafes und ein zunehmendes Schlafdefizit.

Bei einem gesunden Säugling hängt die Antwort auf die Frage an die Eltern, wie es mit dem Kind so läuft, in großem Maße davon ab, wieviel ein Kind schreit und wieviel ein Kind schläft. Diese beiden Kriterien sind häufig, sehr häufig miteinander verknüpft.

 

Für die ganze Familie ist es von großem Wert, wie ein Kind schläft.

Für uns alle ist Schlaf ein Grundbedürfnis. Übermüdet sind wir deutlich weniger belastbar, unkonzentrierter, emotional instabiler, unzufriedener. Schlafentzug kann, wenn er sehr ausgeprägt ist, unsere Wahrnehmung beeinflussen, zu Niedergeschlagenheit führen und körperliche Symptome, wie Schwindel, Übelkeit und Kopfschmerzen auslösen.

Wir schlafen unter anderem, damit unser Gehirn am Tag Erlebtes verarbeiten kann.

Ein Säugling, für den nahezu alles, was er sieht und erlebt neu ist, braucht daher sehr viel Schlaf. Schon nach einer Stunde hat ein Säugling so viele Reize erfahren, dass er im Schlaf von ihnen abschalten und sie verarbeiten muss.

 

Wie ist der durchschnittliche Schlafbedarf überhaupt?

Neugeborene schlafen im Durchschnitt 16-20 Stunden am Tag,

1-jährige 11-17h, 2-jährige 10-16h, 5-jährige 9-13h.

Die Schlafdauer ist also von Anfang an sehr individuell.

Viele Eltern vermuten, ihr Kind schlafe zu wenig, rein faktisch reicht die Schlafdauer jedoch oft aus.

Mehr als alle Fakten zählt aber, wie sich das Kind verhält. Schreit es viel und lässt es sich schlecht beruhigen, obwohl es satt ist und auf dem Arm, ist es sehr wahrscheinlich, dass es müde oder übermüdet ist.

Anstrengend wird es vor allem dann, wenn das Kind schlecht in den Schlaf findet.

Gerade die Abendstunden werden vielfach zu einer Herausforderung für die Eltern.

Besonders im Säuglingsalter ist die Unruhe abends oft groß. Das Kind ist müde, gähnt oder reibt sich die Augen oder Ohren, kommt aber sowohl auf dem Arm, als auch im Bettchen oder im Kinderwagen nicht zur Ruhe. Es möchte eventuell immer wieder an die Brust- jedoch eher, um sich zu beruhigen, als weil es hungrig ist. Es trinkt hastig, speit oft viel und wird dadurch noch unruhiger. Das alles sind eindeutige Symptome dafür, dass das Kind zu vielen Außenreizen ausgesetzt war und nicht von ihnen abschalten kann.

 


 

Was kann man tun, um dem vorzubeugen?

1.     Versuchen Sie, Übermüdung des Babys zu vermeiden. Ein Neugeborenes ist oft nur 30 Minuten wach und schläft dann wieder ein. Nach ein paar Wochen steigert sich die Wachphase, aber länger als anderthalb Stunden sollte sie im ersten halben Jahr nicht sein. Dann sollte das Baby die Möglichkeit bekommen, einzuschlafen. Das Wie ist sehr individuell: ob im Tragetuch, in der Babytrage, auf dem Arm, mit einem Elternteil im Bett, im Stubenwagen- was das Baby mag und für die Eltern ok ist, ist ok.

Wir Erwachsenen, wie auch Kinder etwa ab dem Vorschulalter entwickeln eine Schlafschuld. Das bedeutet, dass wir, wenn wir länger nicht geschlafen haben, selbst im Stehen oder inmitten lauter Geräusche schlafen könnten.

Bei Babys und Kleinkindern ist das nicht so. Waren sie zu lange wach, können sie- wie oben beschrieben- von den erlebten Reizen nicht abschalten und werden unruhig, obwohl sie müde sind.

2.     Versuchen Sie Ruhe zu bewahren.

Einem Baby, das nur abends vermehrt weint, fehlt nichts außer Schlaf. Alles wirklich Ernsthafte, jede Erkrankung würde sich auch über Tag zeigen. Also entspannen Sie sich und versuchen Sie konsequent auf nicht zu lange Wachphasen zu achten.

3.     Schaffen Sie eine für das Baby angenehme Schlafumgebung:

Babys mögen Geräusche, denn im Mutterleib war es laut. Das Baby hörte Darmgeräusche, den Herzschlag der Mutter, Stimmen und Laute von außen. Daher schlafen Babys über Tag oft besser, wenn sie da sind, wo die Familie ist und in ihrer Nähe ruhig geredet wird.

Um früh Tag und Nacht unterscheiden zu können, sollte es für das Baby nachts jedoch ruhig und dunkel sein und auch zum Stillen oder Füttern nur ein kleines Licht benutzt werden.

Zur guten Schlafumgebung gehört außerdem, dass ein Raum nicht zu warm ist. 18° C sind optimal.

Beim Baby ist Überwärmung dringend zu vermeiden. Am besten für die Nacht eignet sich ein Schlafsack. Darunter reicht ein langärmliger Schlafanzug. Hände und Gesicht dürfen kalt sein. Ein Griff an Brust oder Rücken zeigt, ob das Kind warm genug gekleidet ist.

Ein Kissen sollte im ersten Lebensjahr nicht verwendet werden. Auch sonst soll nichts in der Nähe des Kindes liegen, was seine freie Atmung einschränken könnte.

Die Umgebung muss unbedingt vollkommen rauchfrei sein.

4.     Nicht jeder Laut den ein Säugling von sich gibt, drückt Unwohlsein oder Hunger aus. Babys haben viele Wechsel der Schlafphasen, in denen sie beinahe erwachen, auch schon mal kurz aufweinen oder unruhig atmen. Es ist gut, kurz abzuwarten, ob das Kind einfach weiterschläft. Gerade in der 2. Hälfte des ersten Lebensjahres reicht ihm oft ein Schnuller oder die Nähe bzw. die Hand der Eltern, wenn es nachts wach wird, besonders, wenn es erst vor Kurzem getrunken hat.

 

Letztendlich ist alles gut, was gut funktioniert und womit sich alle Familienmitglieder so gut es geht erholen.

Das Elternbett ist für viele Familien genau richtig. Wenn alle Familienmitglieder die Nähe in der Nacht genießen und gut schlafen, ist das gemeinsame Bett eine gute Sache.

Einige Regeln gilt es dennoch zu beachten:

-       Rauchende Eltern sollten nicht mit Babys in einem Bett schlafen. Der Rauch steckt in Haaren und Kleidern und ist für das Baby ungesund. Auch, wenn Alkohol getrunken wurde, soll nicht neben dem Baby geschlafen werden.

-       Ein Baby sollte nicht in der Mitte neben einem älteren Geschwisterkind schlafen.

Eltern haben den sogenannten Ammenschlaf, das heißt sie fühlen unterbewusst vielfach pro Nacht nach Atmung und Temperatur des Babys. Geschwister haben das nicht und könnten sich auf das Baby legen oder dessen Atemwege verlegen.

-       Das Bett muss breit genug sein- für Vater, Mutter und Kind mindestens 1,60m- je größer, desto besser

-       Auf einen Rausfallschutz sollte geachtet werden

-       Keine Kissen oder Stofftiere etc. in die Nähe des Babys legen.

-       Alle müssen im Elternbett gut schlafen. Wenn ein Elternteil in dieser Konstellation nicht gut schläft oder das Kind unruhig und mit vielen Unterbrechungen, ist dies nicht die richtige Lösung.

Um den Eltern Hilfestellungen zu bieten, mit denen ein Baby besser in den Schlaf findet, gibt es viele Gerätschaften auf dem Markt, die zum großen Teil ihr Geld nicht wert sind.  

Sehr beliebt ist z.B. die Federwiege.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, ein Baby in den Schlaf zu schuckeln, aber Babys brauchen viel Nähe. Wenn die Kapazitäten bestsehen, das Kind selbst in den Schlaf zu wiegen, ist das für dessen emotionale Entwicklung von Vorteil.

Federwiegen sind außerdem für die kurze Zeit, in der man sie einsetzen kann recht teuer.

Gleiches gilt für andere Schüttel- oder Rüttelhilfen. Auf diese technischen Geräte kann man in den meisten Fällen verzichten.

Völlig unzulässig sind bei gesunden Säuglingen sämtliche Medikamente, die den Schlaf verbessern sollen. Sie können für Kinder sehr gefährlich sein.

Es gibt kaum Eltern, die nach dem ersten Jahr mit ihrem Baby kein Schlafdefizit haben. Die meisten Babys schlafen nicht durch, nahezu jeder Säugling findet mehr oder weniger häufig nicht gut in den Schlaf. Wie geschlafen wird und wie Eltern ihrem Kind die bestmögliche Schlafumgebung für ein recht gutes Ein- und durchschlafen schaffen, ist sehr individuell.

Wichtig ist nur, dass ein Baby regelmäßig, in nicht allzu großen Abständen die Möglichkeit erhält, entspannt einzuschlafen und dass auch die Eltern auf genügend Schlaf für sich achten.

Es ist gut, sich notfalls im Schlaf bzw. in der Babybetreuung abzuwechseln, sich auch mal über Tag hinzulegen, wenn das Baby schläft und- ganz wichtig- selbst herauszufinden, wie alle am besten schlafen.

Da sollte keiner reinreden. Eltern können sich dies oder das anhören oder anlesen, aber was funktioniert, finden sie am besten selbst heraus.

Schlafen ist nicht einfach und kann nicht durch bloßen Willen herbeigeführt werden. Man muss in den Schlaf fallen.

Wenn ihr Baby schlecht schläft, ist es kein besonders anstrengendes Baby. Über unruhige Nächte und Schlafprobleme reden viele Eltern ungern- vielleicht, weil sie annehmen, man könnte ihnen Unvermögen unterstellen.

Durchschlafen bei kleinen Säuglingen ist sehr selten.

Also schlafen Sie wie und wann es geht und fühlen Sie sich nicht unzulänglich- schlafen muss gelernt sein.

Für ihr Baby sind Sie als Eltern die besten Lehrmeister. Mit viel Ruhe, mit einem Blick auf die Uhr und mit guter Beobachtung der kleinen Zeichen, die ihr Baby Ihnen gibt, wenn es erstmal genug hat vom Wachsein, werden Sie den Schlaf aller Familienmitglieder verbessern.

 
 
 

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